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Nix wie weg
Wieso nehmen Vögel überhaupt die Strapazen und Gefahren eines langen Fluges in weit entfernte Gebiete auf sich, anstatt einfach nur bequem an einem Ort zu bleiben? Natürlich werden sie dies nicht ohne einen besonderen Grund tun, sondern entscheidende Vorteile aus diesem Verhalten ziehen.
Wichtigster Hintergrund für Zugbewegungen sind die jahreszeitlichen Schwankungen auf unserer Erde. Sie sorgen in vielen Gebieten für einen ständigen Wechsel der Lebensbedingungen. Im Sommer herrschen in unseren Breiten meist warme Temperaturen und ein reichhaltiges Nahrungsangebot vor, während die Winter oft nur sehr wenig Futter für viele Tierarten bieten. In anderen Teilen der Erde kann Saisonalität in anderen Formen auftreten, z.B. im Wechsel von Regen- und Trockenzeiten. Als Antwort auf die Jahreszeiten sind im Tierreich vielfältige Arten von Wanderungen entstanden. Die Tiere versuchen den für sie eher schlechten Bedingungen im Winter zu entgehen oder günstigere Bedingungen in anderen Regionen zu nutzen. Klima und Wetter haben vor allem einen indirekten Einfluss auf das Wanderungen. Die Tiere wandern oft nicht, um der Kälte auszuweichen, sondern weil niedrigere Temperaturen auch weniger Nahrung bedeuten. Bodentiere wie Regenwürmer und Schnecken, ziehen sich im Winter in tiefere Bodenschichten zurück. Auch Fische und Amphibien (Frösche, Molche) flüchten vor den kalten Temperaturen in den Schlamm der Gewässer. Maulwürfe sowie Schlangen und Eidechsen überwintern ebenfalls im Boden.
Die faszinierendsten Wanderungen jedoch gibt es bei den Vögeln. Sie fliegen zum Teil extrem lange Strecken in weit entfernte Gebiete. Viele unserer Zugvögel fliegen bis weit hinein in den afrikanischen Kontinent. Manche Weißstörche und Schwalben ziehen bis hinunter zum südlichsten Punkt des Kontinents, dem Kap der guten Hoffnung in Südafrika.
In diesen Gebieten finden die Tiere im Winter ein sehr viel reichhaltigeres Nahrungsangebot als bei uns. Dies gilt insbesondere für Insektenfresser, während viele Körnerfresser (z.B. Finken) unsere Winter gut überstehen. Im Frühjahr kehren die Zugvögel dann wieder zu uns zurück, um hier ihre Jungen groß zu ziehen.
Der Drang zu ziehen ist in den Genen der Vögel gespeichert. Einige Zeit vor Beginn des Zuges werden die Vögel unruhig, sie beginnen erste Proberunden zu drehen, die „ Zugunruhe“ ist ausgebrochen. Solche genetischen Programme, die den Zug sozusagen "von innen heraus" auslösen, helfen den Vögeln, rechtzeitig aufzubrechen. Das ist einerseits wichtig, um in den Brutgebieten nicht vom Wintereinbruch überrascht zu werden, und andererseits, um im Überwinterungsgebiet rechtzeitig aufzubrechen, um im Brutgebiet ideale Brutbedingen vorzufinden.
Das Zugverhalten innerhalb von einzelnen Vogelarten kann sich auch in kurzen Zeiträumen ändern. Ein gutes Beispiel ist die Amsel. Bis ins 19. Jahrhundert war sie in Mitteleuropa ausschließlich Zugvogel. Sie lebte zur Brutzeit in unseren Wäldern und zog zum Überwintern in den Mittelmeerraum. Heute sind Amseln bei uns Teilzieher, d.h. nur ein Teil der Vögel zieht in Überwinterungsgebiete. Der andere Teil bleibt ganzjährig hier. In anderen Gebieten wie z.B. auf den Britischen Inseln sind Amseln reine Standvögel geworden, d.h. keines der Tiere zieht zum Überwintern weg. Sollte es zu einer weiteren Klimaerwärmung kommen werden wahrscheinlich immer mehr Vogelarten zu reinen Standvögeln.
Alexander Balmert
Quellen: