zum Inhalt
zur Funktionsnavigation
zur Hauptnavigation
Informationen zum neuen NABU-Design
Bedienhilfen
>> Der Vogelzug im Klimawandel >> Infopool >> Vogelzug >> Voraussetzungen für den Zug
"Treibstoff" für den Flug
Um ihre lange Wanderung zu bestehen, müssen sich die Zugvögel rechtzeitig auf die Strecke vorbereiten und eine ganze Reihe von besonderen Eigenschaften besitzen. Der Körperbau von Zugvögeln zeigt spezielle Anpassungen. So bieten lange, spitze Flügel weniger Luftwiderstand als runde. Das spart Energie beim Flug. Der Hauptflugmotor, der Brustmuskel, ist bei Zugvögeln deutlich größer als bei Standvögeln. Bis zu 35% des Körpergewichts kann dieser Muskel mitunter ausmachen. Energiestoffwechsel und Sauerstoffversorgung erreichen bei Zugvögeln ungewöhnlich hohe Werte verglichen mit dem Rest des Tierreichs. Auf diese Weise werden Hochleistungen ermöglicht, aber nur, wenn der erhöhte Energiebedarf gedeckt ist.
Die Vorbereitung auf den Zug beginnt schon am Anfang eines Vogellebens. Die Entwicklung der Jungen und die Mauser in ein robustes Adultgefieder verläuft bei Zugvögeln im Vergleich zu nicht ziehenden Vögeln schneller. Dies ist überlebenswichtig, da die Jungen bis zu Beginn der Zugperiode im Herbst flügge und zugbereit sein müssen. Diese Entwicklungs- und Verhaltensmuster werden bei vielen Arten von angeborenen jahreszeitlichen Programmen ("biologischen Uhren") gesteuert. Kurz vor dem Wegziehen tritt ein weiteres Phänomen auf: die Hyperphagie (hyper=übermäßig, phagie=Nahrungsaufnahme). Um ihre Fettdepots für die lange Reise aufzufüllen, fressen die Vögel in dieser Zeit übermäßig viel. Besonders Früchte werden bevorzugt. Sie enthalten viel Energie in Form von Zucker und vermutlich auch andere wichtige Spurenelemente. Bis zu 10% des Körpergewichtes können Vögel an einem Tag in ihren Fettdepots zulegen. Die Fettspeicherung ist das Hauptmerkmal dafür, dass der Zug kurz bevor steht. Die Vögel werden dann unruhig, viele tagaktive Vögel werden nun nachts munter. In Käfigen und Volieren beginnt ein rastloses Verhalten, das als "Zugunruhe" bezeichnet wird.
Viele Zugvögel starten erst, wenn sie einen bestimmten Fettumfang erreicht haben.
Im Zusammenhang mit dem Zug werden auch körpereigene Kohlenhydrate und Eiweiße abgebaut, um „Ballast“ abzuwerfen und um Nährstoffe freizusetzen. Diese sind zwar auch energiereich, aber sehr viel schwerer als Fett. Fett ist ein sehr leichter Energieträger und deshalb ein optimaler „Treibstoff“ für lange Zugstrecken.
Zusätzlich zu den körperlichen Anpassungen an den Zug ändert sich bei vielen Arten auch das soziale Verhalten. Die Tiere werden geselliger, sie sammeln sich und bilden Schwärme, in denen sie dann gemeinsam ihren Zug antreten. Formationsflug, wie man ihn beispielsweise bei Gänsen beobachten kann, ist für jedes einzelne Tier von Vorteil. Ein Vogel führt, die anderen sparen im Windschatten des Vordermannes bis zu 20% Energie. Die Führung des Schwarmes wechselt mit der Zeit. Durch soziales Zugverhalten haben Vögel außerdem die Möglichkeit, "Traditionen" zu bilden, also Erfahrungen über Zugstrecken und Rastplätze weiterzugeben.
Katrin Mayntz & Alexander Balmert
Quellen: